Zwölf Quadratmeter misst das mit Farbe aufgesprühte Rechteck vor der Rathaus Galerie. Unter dem Motto „Schöner Wohnen“ fordert Claudia Koch Passanten auf, sich dieses symbolische Zimmer nach ihrem Geschmack einzurichten: Sessel, Nachttisch, Kühlschrank und Sofa stehen aus Pappe ausgeschnitten zur Verfügung. Erst nach den Einrichtungsversuchen ihrer Testpersonen klärt Koch auf: Das Rechteck symbolisiert einen Container, in dem Geflüchtete oft monatelang leben. Und die bunte Einrichtung mit Sessel und Fernseher fliegt wieder raus. Denn den Container teilen sich in der Regel zwei Menschen, neben zwei Betten gibt es standardmäßig zwei Stühle, einen Tisch und einen Spind.

Mit dieser und ähnlichen Aktionen machten verschiedene Verbände anlässlich des gestrigen Weltflüchtlingstages auf die Situation von Flüchtlingen in der Stadt aufmerksam. Koch arbeitet beispielsweise bei der Caritas und unterstützt Geflüchtete bei der Suche nach einer eigenen Wohnung – auf dem angespannten Wohnungsmarkt schon für Einheimische eine Herausforderung, für Menschen mit wenigen Deutsch- und Ortskenntnissen fast unmöglich. Über ihre Vermittlungsquote kann sie kaum konkrete Angaben machen. „Da spielen so viele Faktoren eine Rolle: Single oder Paar, Arbeit oder keine Arbeit, Deutschkenntnisse. Und manchmal legen Vermieter sofort auf, wenn wir anrufen“, berichtet Koch aus ihrem Berufsalltag. Sie hätte aber auch schon viel Hilfsbereitschaft von Vermietern erlebt, schiebt sie eilig hinterher, während auf der Bühne Oberbürgermeister Uwe Richrath und Sozialdezernent Alexander Lünenbach auf der Bühne das „Leverkusener Modell“ der dezentralen Unterbringung loben.

Wie viele Möbel passen in einen Container, will Claudia Koch am Weltflüchtlingstag von Passanten wissen.

Wie viele Möbel passen in einen Container, will Claudia Koch am Weltflüchtlingstag von Passanten wissen.

Foto: Ralf Krieger

Spielerische Umsetzung

Von Schwierigkeiten erzählt auch Heike Alessio, die Flüchtlinge für die katholische Jugendagentur bei der Ausbildungssuche unterstützt. Am Stand der Offenen Jugendberufshilfe lockt eine Art „Spiel des Lebens“ mit Feldern wie „Bewerbung schreiben“ und „Arbeitserlaubnis einholen“ oder auch die Spielanweisung: „Gehe drei Schritte zurück, deine Sprachkenntnisse reichen nicht aus“. Knapp 150 Menschen betreut Alessio aktuell, sie hilft nicht nur bei der Suche nach einer festen Arbeitsstelle und begleitet während der Ausbildung. „Manchmal müssen wir ganz von vorne anfangen und Geflüchtete antworten auf die Frage nach ihrem Berufswunsch mit »Ich mache alles. Was finden sie gut?«. Dann muss ich erst einmal Interessen und Neigungen herauskitzeln.“ Die freie Wahl eines Berufs würden viele Menschen aus ihrem Heimatland nicht kennen. „In Syrien wird man mit einem guten Abitur einfach Anwalt oder Arzt“, erzählt Alessio.

Besonders auf den Alltag der etwa 4000 Flüchtlinge in Leverkusen konzentrierte sich die vierstündige Aktion in der Wiesdorfer Innenstadt: Bildung, Wohnen, rechtliche Hürden. Die großen Asyldebatten zu Grenzsicherung, Herkunftsländern und europäischen Verteilungsquoten werden ja bekanntlich woanders – und aktuell hitziger denn je – geführt.

Quelle: https://www.ksta.de/region/leverkusen/alltag-der-gefluechteten-im-fokus-30656728#

 

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